Dec 23
Die Geburtsstunde der Chaostheorie
Das Wetter kann durch die winzigsten Einflüsse bereits auf radikalste Weise verändert werde. Zu dieser Erkenntnis kam Edward Lorenz, US-amerikanischer Mathematiker und Meteorologe, und legte somit den Grundstein für ein ganz neues Forschungsgebiet: die Chaosforschung. Andere Wissenschaftler stellten des Weiteren fest, dass es bei den verschiedensten, ähnlich empfindlichen Gebieten, stets auf die Ausgangsbedingungen ankommt. Da das Verhalten dieser speziellen Systeme so unkalkulierbar und unberechenbar ist, werden sie als chaotisch bezeichnet.
Das Ganze begann 1963, als Lorenz eine folgenreiche Beobachtung machte. Der Meteorologe wollte an seinem, wie damals üblich, nicht sehr leistungsstarken Computer eine Wettervorhersage machen, wozu er einige Daten eingab. Weil er den Computer nicht überlasten wollte, kürzte er die Werte immer auf drei Stellen hinter dem Komma ab. Um Fehler bei der Berechnung zu vermeiden, wiederholte er diesen Vorgang zur Überprüfung der ermittelten Daten. Lorenz sagte sich, wenn die Ergebnisse voneinander abwichen, dann müssten die berechneten Werte falsch sein.
Als er also 1963 dieses Vorgang ein zweites Mal wiederholte, um sich der Daten sicher zu sein, unterschied sich die zweite Kurve auf einmal ganz deutlich von der ersten. Am Computer lag dies diesmal offensichtlich nicht, denn der war vollkommen intakt. Er wiederholte das Ganze noch mehrere Male, und immer wieder war das Resultat das selbe. Schnell entdeckte Lorenz den Fehler: Sein Computer berücksichtigte mehr als die drei von ihm angegebenen Kommastellen, und dieses Hundertstel Prozent, das in etwa mit einem leichten Windhauch zu vergleichen war, hatte die komplette Vorhersage aus dem Gleichgewicht gebracht. In der Wissenschaft ist dieses Phänomen heute als „Schmetterlingseffekt“ bekannt.
